Architekturprozesse im Wandel: Ein Vergleich zwischen konventionell und Design Build

In der vorherigen Ausgabe haben wir diskutiert, wie das Design-Build-Modell Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufe neu organisiert. In dieser Ausgabe betrachten wir, wie sich dieses Modell in zwei unterschiedlichen Situationen verhält: beim Neubau und bei Eingriffen in bestehende Gebäude. Der Vergleich verfolgt nicht das Ziel, eine Methode zu bevorzugen oder eine andere zu kritisieren, sondern zeigt lediglich, wie sich Entscheidungen verändern, sobald sich der Kontext verändert. Als Beispiel dient die Dreifachturnhalle in Sirnach im Kanton Thurgau – ein Neubau, der konkret veranschaulicht, wie Design Build funktioniert, wenn keine baulichen Vorbedingungen vorhanden sind.

In einem konventionellen Prozess beginnt ein Projekt wie jenes in Sirnach meist mit einer bekannten Abfolge. Der Architekt erhält das Raumprogramm, interpretiert das Grundstück und entwickelt erste volumetrische Studien. Sobald das Grundkonzept steht, kommen die Ingenieure hinzu – Tragwerk, HLK, Akustik –, jede Disziplin analysiert das Projekt aus ihrer Perspektive und schlägt Anpassungen vor. Der Unternehmer wird in der Regel erst später einbezogen, oft zu einem Zeitpunkt, an dem grundlegende Änderungen schwierig werden. Die Gemeinde beurteilt das Projekt parallel dazu, basierend auf einem Entwurf, der bereits eine definierte Form und Logik besitzt. Dieser Ablauf funktioniert, doch er funktioniert schrittweise – und jeder neue Beitrag kann Punkte offenlegen, die Überarbeitungen erfordern, manchmal geringfügig, manchmal umfangreich.

Im Design-Build-Modell folgt der Projektbeginn einer anderen Logik. Anstatt dass jede Disziplin das Projekt separat interpretiert, wird der Kontext gemeinsam und gleichzeitig betrachtet. Im Fall der Dreifachturnhalle bedeutete dies, dass grundlegende Entscheidungen – wie die Orientierung der Halle, die statische Strategie, das akustische Verhalten oder der Umgang mit Tageslicht – frühzeitig und koordiniert diskutiert wurden, mit direkter Beteiligung derjenigen, die planen und derjenigen, die ausführen. Es geht nicht darum zu behaupten, dass alle Beteiligten vom ersten Tag an präsent waren, sondern darum, dass der Prozess so strukturiert wurde, dass die relevanten Fachbereiche genau dann eingebunden wurden, wenn ihre Beiträge notwendig waren – und nicht erst in einer späteren Phase. Die Gemeinde konnte einen Prozess begleiten, der von Beginn an abgestimmt war, mit weniger Schleifen und weniger späten Anpassungen.

Der Vergleich der beiden Modelle zeigt etwas Einfaches, aber Wesentliches: Im konventionellen Prozess entwickelt sich ein Projekt wie eine Abfolge von Schichten; im Design Build entwickelt es sich wie ein fortlaufendes Gespräch. Im konventionellen Modell tritt jede Disziplin dann ein, wenn sie aufgerufen wird; im Design Build tritt jede Disziplin dann ein, wenn sie gebraucht wird – und beim Neubau bedeutet das fast immer: früh. Im konventionellen Modell reagiert der Unternehmer auf den Entwurf; im Design Build wirkt er an dessen Entstehung mit. Im konventionellen Modell entdeckt die Baustelle Probleme, die man hätte vermeiden können; im Design Build werden viele dieser Punkte diskutiert, bevor sie überhaupt entstehen. Diese Unterschiede machen keine Methode besser oder schlechter. Sie zeigen lediglich, dass Design Build beim Neubau dazu tendiert, späte Überarbeitungen zu reduzieren und Entscheidungen vorzuziehen, die im traditionellen Modell erst später getroffen würden.

Architektur hat stets widergespiegelt, wie eine Gesellschaft ihr Leben organisiert. Wenn sich Lebensformen verändern, verändern sich auch die Formen des Planens. In der beruflichen Praxis zeigt sich dies weniger in großen Gesten als in kleinen Entscheidungen: Wer zu Beginn eines Projekts beteiligt ist, wie der Kontext interpretiert wird, wann die Auswirkungen auf das Umfeld berücksichtigt werden. Im konventionellen Modell ist der Prozess fragmentiert. Jede Disziplin tritt zu einem Zeitpunkt ein, an dem der Entwurf bereits eine Richtung besitzt. Dieses Vorgehen hat über Jahrzehnte funktioniert, beruht jedoch auf der Annahme, dass ein Gebäude aus einzelnen Teilen gedacht wird, die später zusammengeführt werden müssen.

Design Build, angewendet auf Neubauten wie die Dreifachturnhalle in Sirnach, verändert diesen Ausgangspunkt. Es verändert nicht nur den Ablauf, sondern die Art und Weise, wie ein Projekt entsteht. Statt dass jede Disziplin den Entwurf separat interpretiert, wird der Kontext gemeinsam betrachtet. Die Auswirkungen auf das Umfeld, die Landschaft, die Gemeinde und den späteren Betrieb werden nicht nachträglich analysiert, sondern von Anfang an einbezogen. Diese Veränderung ist nicht philosophisch, sondern operativ. Und vielleicht ist dies der entscheidende Punkt: Design Build schlägt keine neue Art vor, Architektur zu denken; es schlägt eine neue Art vor, den Prozess zu organisieren, der zur Architektur führt. Und wenn sich der Prozess verändert, spiegelt sich diese Veränderung oft im Ergebnis wider.

Es geht nicht darum, den individuellen Blick durch den kollektiven zu ersetzen oder zu behaupten, dass Zusammenarbeit automatisch bessere Gebäude hervorbringt. Es geht lediglich darum anzuerkennen, dass ein gemeinsam entstehendes Projekt früh Elemente integriert, die im traditionellen Modell erst später auftauchen – oder als Korrekturen erscheinen. Diese Veränderung ist unscheinbar, aber strukturell. Und genau darin unterscheidet sich Design Build beim Neubau vom konventionellen Vorgehen.

Während Design Build in Sirnach auf einer unbeschriebenen Seite operierte, verändert sich die Logik im Bestand deutlich. Ein bestehendes Gebäude bringt Schichten von Geschichte mit sich, frühere Eingriffe, unbekannte Materialien und eine Dokumentation, die nicht immer vollständig ist. Der Prozess wird weniger zur Interpretation des Grundstücks und mehr zur Interpretation der Vergangenheit. Diese Veränderung des Kontextes beeinflusst den Rhythmus, die Entscheidungen und die Natur der Zusammenarbeit – ein Thema, das wir in der nächsten Ausgabe vertiefen werden.